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| Schiffsmodell Preussen. Bild: DSM / Nicole Werner |
Zugegeben, nicht jeder ist bei einem geplanten Museumsbesuch besonders neugierig auf den Museumsshop. Doch auf mich üben diese Verkaufsstellen ausstellungsbezogener Dinge einen besonderen Reiz aus. Natürlich hat das auch etwas damit zu tun, dass ich mich in der Regel für die Themen, die da museal präsentiert werden, nicht nur interessiere, sondern meist auch selbst zu den Themen arbeite oder gearbeitet habe. Und so ist auch das Stöbern im jeweiligen Museumsshop ein unverzichtbarer Teil des Besuches. Denn oft genug sind es die ganz speziellen Dinge, die da angeboten werden, die mich auch lange nachdem die Ausstellung Geschichte ist, an das jeweilige Haus und Thema erinnern.
Besonderes in analogen Welten
Das können besondere Bücher sein, darunter nicht zuletzt gut gemachte Begleitbände, aber auch andere originelle Dinge. So habe ich beispielsweise 1989 bei meinem Besuch im Deutschen Schifffahrtsmuseum unter anderem den vom Förderverein finanzierten 1988 herausgegebenen DSM-Modellbaubogen der Nautilus und den 1983 erschienenen DSM-Bauplan Nr. 2 des Küstenpanzerschiffes Beowulf im Museumsshop erstanden. Dabei gehörten weder das phantastische U-Boot des Kapitän Nemo noch das martialische Kriegsschiff der Kaiserlichen Marine zu meinen speziellen Sammlungs- und Modellbauinteressen, es war einfach etwas Besonderes (und klar, auch Interessantes), das zu damaligen Zeiten ohne Onlineshops und Internet nicht an jeder Ecke zu haben war.
Schiffe aus Papier
Das DSM ist übrigens seit 1980 offizielles, also durch Bund und Länder gefördertes Forschungsmuseum, das heute Teil des Museumsverbundes der Leibnitzgesellschaft ist. Im Mittelpunkt der damaligen Forschung stand natürlich die Bremer Kogge und der Forschungsschwerpunkt war vor allem technisch- naturwissenschaftlich ausgerichtet mit Fokus auf die Nassholzkonservierung von Großfunden. Und es gab noch einen weiteren, in der maritimen Fachwelt nicht immer ernst genommenen Schwerpunkt, mit dem das DSM beim Publikum jedoch eine ganze Zeit lang recht gut punkten konnte: den Kartonmodellbau. Mehr als 50 DSM-Modellbaubögen darunter eben auch die „Nemo“ hatte der Museumspädagoge Dr. Siegfried Stölting zwischen 1980 und 2000 herausgegeben und damit diese Art des Modellbaus wieder salonfähig gemacht. Als 1989 die Preisverteilung des ersten vom Deutschen Schifffahrtsmuseum ausgerichteten Internationalen Kartonmodellbau-Wettbewerbs "Schiffe aus Papier" stattfand und bei dieser Gelegenheit die preisgekrönten Modelle in einer Sonderausstellung präsentiert wurden, war, wie es in der Pressemitteilung formuliert wurde, „der Hörsaal bis auf den letzten Platz besetzt. Seitdem schrieb das Museum im Abstand von vier Jahren diesen Wettbewerb aus.“Umbruch und Neuanfang
Doch als im Jahre 2000 am DSM die „Erfolgsstory 20 Jahre Schiffe aus Papier“ gefeiert wurde, waren nicht nur die Forschungen zur Nassholzkonservierung sondern auch der Kartonmodellbau am DSM längst Auslaufmodelle. Ab 2000, so die offizielle Chronologie, verlagerte sich der Forschungsschwerpunkt auf die Forschungs- und Wissenschaftsgeschichte und, nachdem das Museum rund 12 Jahre ein wenig orientierungslos vor sich hinzutreiben schien, begannen ab 2012 grundlegende bauliche strukturelle und inhaltliche Veränderungen. Zum 40-jährigen Jubiläum präsentierte sich das DSM schließlich mit der Ausstellung „1975 / 2015 – Schiffe erzählen Museumsgeschichte(n)“ als eine Institution im Umbruch und mit Perspektive. „Unsere rückblickende Ausstellung“, so heißt es in der damaligen Pressemitteilung, [...] „soll ein kleiner Vorbote für unsere künftigen Ausstellungen sein und einen Hinweis darauf geben, dass sich das DSM aus seiner Tradition heraus und auf der Basis seiner herausragenden Sammlung modernisiert und neu erfindet“
Aushängeschild Museumsshop
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Meine Bücher "Rotbarts wilde Verwandte", "Pixies wilde Freunde" und "Tierliche Migranten" als Teil des interessanten literarischen Sortiments des Museumsshops. Foto: DSM / Annika Müllenberg |
Das Wissenswochenende
Auch das Begleitprogramm zur Sonderausstellung genießt im Moment meine Aufmerksamkeit, denn als nennen wir es „forschender“ Sachbuchautor bin ich über die museums- und erlebnispädagogischen Präsentationsformen hinaus natürlich auch neugierig auf die konkreten Inhalte und Ergebnisse der musealen Forschungsarbeit, gerade auch zum vielschichtigen Thema Tiere an Bord. Da darf man auf das Wissenswochenende am 10. und 11. Oktober 2026 gespannt sein, an dem es ebenfalls Beiträge rund um Tier(forschung) geben wird. Das Programm ist noch am Entstehen, aber den Termin vorzumerken, dürfte sich schon einmal lohnen.
Seetransport exotischer Tiere im kolonialen Kontext
Ich weiß natürlich nicht, ob auch dieses Thema im Rahmen der Ausstellung oder des Wissenswochenendes aufgegriffen wird, aber an dieser Stelle möchte ich kurz darauf hinweisen, dass heute, am 29.07., der internationale Tag des Tigers ist und dass nicht zuletzt das koloniale Treiben (und seine u.a. mit der Trophäenjagd bis heute spürbaren Folgen) einen nicht unerheblichen Beitrag zum Bedrohungsstatus der größten rezenten Katze der Welt darstellt. In meinem Buch "Rotbarts wilde Verwandte" habe ich auch der Kulturgeschichte des Tigers ein Kapitel gewidmet.
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The New York Public Library. "The Ayah and her charge, [opposite page 7, illustration]" The New York Public Library Digital Collections. 1860. |





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