Mittwoch, 20. Juli 2022

Das Prachtboot

Wie Deutsche die Kunstschätze der Südsee raubten

Was für ein Prachtstück, das große Auslegerboot von der Luf-Insel, die 1899 bis 1914 zur deutschen Kolonie Deutsch-Neuguinea „gehörte“. Heute stellt das rund 15 Meter lange Schiff den spektakulären Mittelpunkt des Humboldt-Forums dar, das unter anderem die Sammlungen des ehemaligen Ethnologischen Museums Dahlem beherbergt. Die Umbenennung und „neue Ausrichtung“ ethnologischer Sammlungen, also der Aneignung von Kulturgütern außereuropäischer Gesellschaften im Rahmen des Kolonialismus ändert aber nichts am Charakter der Sammlungen und der jeweiligen Art der Aneignung. Am Beispiel des Prachtbootes von Luf beleuchtet Götz Aly nicht nur die Herkunft und Beschaffung des zentralen Ausstellungsstückes, sondern auch exemplarisch die Problematik der „Rückgabediskussion“, wie sie in Zusammenhang mit der heutigen Provenienzforschung augenscheinlich wird. Lesen Sie weiter auf GeschiMag

Samstag, 9. Juli 2022

Rotbarts wilde Verwandte. Zur Kulturgeschichte des anthropogenen Artensterben

eine Buchvorstellung von Markus Bötefür

„Kein Mensch wird dadurch satt, dass Lebensmittel in gewaltigen Mengen vergeudet und vernichtet werden, um die Preise hochzuhalten.“ Was hat diese zweifellos richtige Feststellung in einem Buch über Raubkatzen zu suchen? Sehr viel, denn Wolfgang Schwerdt beschreibt in seinem überaus interessanten Werk über das von Menschen gemachte Artensterben dessen historischen Verlauf exemplarisch am Schicksal einiger Raubkatzenarten. Dass er Löwen, Tiger, Panther und Co. keineswegs zufällig ausgewählt hat, ist für diejenigen kein Wunder, die mit seinem Schrifttum vertraut sind. Schließlich ist der gelernte Journalist Schwerdt nicht nur ein Freund der Samtpfoten, sondern auch ein ausgewiesener Katzenkenner. Ein breites belletristisches Lesepublikum kennt ihn seit vielen Jahren als Vater des Schiffskaters Rotbart, eines auf den Planken frühneuzeitlicher Entdeckerschiffe segelnden und mit guter Beobachtungsgabe ausgestatteten Katers. Rotbart tritt auch im Buch über seine seiner wilden und meist viel größeren Verwandten in kurzes Passagen auf, was dem Buch einen angenehmen Schmökercharakter verleiht.  Lesen Sie weiter auf Katzenkultur

Dienstag, 5. Juli 2022

Die Hamburger Südsee-Expedition

Über Ethnographie und Kolonialismus

Zwischen 1908 und 1910 fand eine wissenschaftliche Expedition in deutsche Kolonialgebiete des Pazifiks statt. Diese als Hamburger Südseeexpedition in die Kolonialgeschichte eingegangene Unternehmung hat der 2019 verstorbene Hamburger Ethnologe und ehemalige Direktor des Hamburgischen Museums für Völkerkunde (heute Museum am Rothenbaum), Hans Fischer, beschrieben. In seiner 1981 erstmals erschienenen und nun neu aufgelegten Fallstudie dokumentiert er die Verwicklungen zwischen Kommerz, Politik und Wissenschaft in der Ära des Kolonialismus. Lesen Sie weiter auf GeschiMag

Donnerstag, 16. Juni 2022

Rassistisches Erbe

Wie wir mit der kolonialen Vergangenheit unserer Sprache umgehen.

Wer sich ernsthaft mit Geschichte befasst und auch mit der kolonialen Vergangenheit und dem Prozess der Globalisierung auseinandersetzt, wird kaum bestreiten können: Rassismus ist weiß, europäisch und christlich. Und er hat eine lange Geschichte, eine Geschichte, die weit vor den ersten „Entdeckungsreisen“ begonnen hat und sowohl unser Bewusstsein, unser Selbstverständnis, unsere Wahrnehmung Anderer und eben auch unsere Sprache bis heute prägt. In ihrem Buch beschäftigt sich die Kulturwissenschaftlerin Susan Arndt insbesondere mit der Sprache als koloniales Erbe, ihrer Funktion und Wirkung und der daraus resultierenden Notwendigkeit ihrer Veränderung. Lesen Sie weiter auf GeschiMag