Montag, 23. März 2026

Guckst Du Oben

Es ist Frühling, die Vögel bereiten sich auf die Brut und Aufzucht des Nachwuchses vor, stecken ihre Reviere ab, werben um Partnerinnen, zwitschern bereits ab Sonnenaufgang vor sich hin, schimpfen mit ihren Nachbarn oder Konkurrenten und pöbeln selbstbewusst auch mal jene Passanten an, die sich ihrem Nest zu sehr nähern. Doch wer genau raubt da der arbeitenden Bevölkerung ihren verdienten Morgenschlaf, heitert mit fröhlichem Gesang die Stimmung so manchen Tierfreundes auf oder verblüfft den erdgebundenen Zweibeiner mit akrobatischen Flugshows und anderem mehr. Mit ihrem Buch Guckst Du oben machen es der Autor Holger Haag und die Illustratorin Ernestine Donnerberg taxonomisch noch einigermaßen unbedarften VogelfreundInnen nicht nur leicht die gefiederten Mitbewohner einzuordnen, sie liefern gewissermaßen ein Starterkit für ein weitergehendes Interesse an der Vogelwelt.

35 Dino-Nachfolger zum schnell erkennen

Wer kennt sie nicht, die Vogelführer, in taxonomische Klassen, Familien, Gattungen, Arten und Unterarten unterteilt, mit unzähligen idealtypischen Fotos oder Zeichnungen ausgestattet, die es dem laienhaften Vogelfreund, der noch Lichtjahre vom Nerdstatus entfernt ist, schwer machen, die mehr oder weniger zufällig beobachteten Pieper systematisch einzuordnen. Und natürlich ist das auch nicht jedem wichtig. Doch natürlich ist es schon schön, zu wissen, mit welchen gefiederten Mitbewohnern wir es beispielsweise am Futterhäuschen oder beim Spaziergang in der Natur zu tun haben. Denn dann können wir im Vogelführer nachschlagen, um Näheres über Verhaltensweisen, Eigenarten, Fähigkeiten, Verbreitungsgebiet und vieles mehr über die meist recht charismatischen Tiere zu erfahren. Und so haben die Autoren des Büchleins 35 gängige Modelle der gefiederten Dino-Nachfolger herausgesucht und präsentieren diese in einer ganz besonderen Weise.

Steckbriefe aus drei Merkmalen

Jeweils drei schnell zu erkennende Merkmale reichen ihnen aus, um beispielsweise einen Hausrotschwanz oder ein Rotkehlchen zu erkennen oder einen Mauersegler von einer Rauchschwalbe zu unterscheiden. Da geht es um Augenringe, Kopfplatten, Brust- und andere Gefiederfärbungen, die sich schnell einprägen lassen. Doch ein wenig mehr als diese drei Merkmale des Farbmusters gehört dann zur eindeutigen Identifizierung doch dazu. Und deshalb hat die Illustratorin abstrahierte und pointierte Vogelbilder erstellt, an denen nicht nur die drei beschriebenen Merkmale sondern auch der oft typische Körperbau, also das Erscheinungsbild, von pummelig bis schlank, von elegant bis plump erkennbar ist. Und ein paar Charakterzüge, in wenige Zeilen gegossen, gibt es ebenso dazu, wie die typischen Rufe in Sprechblasen, wie etwa das tschäk, tschäk, tschäk der Elster oder das rääb, rääb, rääb der Nilgans. Am Ende steckt dann doch sehr viel mehr Information in diesem kleinen Büchlein, als es auf den ersten Blick scheint, nur eben über knappen Text und ansprechendes Bild leicht aufnehmbar.

Einladung zum Birdwatching

Natürlich ist das Buch eine Einladung zum intensiveren Birdwatching. Und da viele Menschen einige der hier vorgestellten Vogelarten ja durchaus auch ohne Bestimmungsbuch erkennen können, erweist sich Guckst du oben als niedrigschwelliges Angebot, das tatsächlich neugierig auf mehr machen könnte. Auch den Ansatz, die Vogelportraits nach den Lebensräumen Stadt, Land, Wald und Wasser zu sortieren, halte ich für gelungen. Und wer sich nun näher mit den gefiederten Mitbewohnern unserer Erde befassen möchte, da findet sich am Ende des Büchleins der Hinweis auf die Verlags-App über die zusätzliche Inhalte zum Buch – wie zum Beispiel Audios der Vogelstimmen etc. abgerufen werden können.

Ernestine Donnerberg, Holger Haag: Guckst du oben. Kosmos 2026. Hardcover 93 Seiten.

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